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Erich Ritter: Das Ende eines Tigerhais (aus einem Artikel im "Unterwasser" vom Januar 2008) |
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Ihr Leben begann vor 20 Jahren irgendwo an den Ufern Floridas. Nach einer langen Jugend des Versteckens, um nicht von einem grösseren Hai gefressen zu werden, erobert der junge Tigerhai seine Position im Ökosystem. Er frisst Fische und andere Meeresbewohner und trägt so zum Erhalt eines gesunden Meeres bei: Sogenannte Superräuber wie die Tigerhaie kontrollieren nicht nur Bestände kleinerer Lebewesen, sonder auch die anderer Haipopulationen. Viele Jahre erledigt der Tigerhai diese Aufgabe und pflanzt sich fort, damit seine Nachkommen künftig seine Funktion übernehmen können. Viele ihrer Brüder schaffen die ersten Hürden nicht, und nur wenige sind letzlich in der Lage, den Kreis zu schliessen und ihrerseits Nachwuchs zu erzeugen. Unser Tigerhai-Weibchen jagt, um überleben zu können, sie sammelt Energie, um Nachkommen erzeugen zu können - doch diese beiden von der Natur vorgegebenen Notwendigkeiten sind es, die sich ein Sportfischer zu Nutzen macht. Sie schluckt den Köder. Mehrere Stunden lang kämpft sie, um sich vom Haken zu befreien. Vergeblich, jede Anstrengung wird zunichte gemacht, bis ihre Kräfte schliesslich nachlassen und sie zum ersten mal in ihrem Leben in ein Medium gezogen wird, das kein Wasser ist und das Atmen sehr schwierig macht. Über Stunden liegt sie auf einem harten Untergrund, kann sich nicht bewegen, und ihr Atem wird schwerer und schwerer, doch der erlösende Tod tritt nicht ein. Endlich scheint sich etwas zu ändern, und sie wird auf eine andere Struktur gehievt. Unbekannte Objekte starren auf sie herunter. Doch damit nicht genug: Aus für sie unerklärlichen Gründen wird das Maul zugenäht. Langsam realisiert sie, dass ihr hinterer Körperteil angehoben wird und plötzlich nicht mehr auf dem harten Untergrund liegt. Bald folgen auch ihr Körper und ihr Kopf. Zum ersten mal in ihrem Leben spürt sie einen gewaltigen Druck auf ihren Kiemen, denn ihre Innereinen lösen sich von den Aufhängungen im Bauch unddrücken mit ihrem ganzen Gewicht auf den Kiemenkopf. Der Schmerz nimmt zu, das Atmen wird noch weiter erschwert und endlich, endlich ist es zu Ende. Sie stirbt - am Schwanz aufgehängt und unter den gaffenden Blicken applaudierender Zuschauer.
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